Pressestimmen

„Tanzen, tanzen“ im Stile der „Goldenen Zwanziger“

Boguslaw Lewandowski gastierte mit seinem Bamberger Salonorchester im Café Haas

Wenn seine Finger über die Saiten flitzen und das erste Rosshaar vom Geigenbogen springt, dann ist Bugoslaw Lewandowski in seinem Element. Die Damen beginnen zu schmachten und die Herren voller Bewunderung zu staunen. Mit seinem Bamberger Salonorchester lud der virtuose Geiger zum „Tanzen, Tanzen“ ins Café Haas ein, und viele tanzwillige Paare und begeisterte Liebhaber swingender Salonmusik kamen um zu genießen und zu tanzen. Die Tanzfläche platze im Verlauf des Abends aus allen Nähten.
Im passenden Ambiente des traditionsreichen Tanzcafés in der Sandstraße ließ der engagierte Geiger der Bamberger Symphoniker den musikalischen Charme der „Goldenen Zwanziger Jahre“ elegant wieder aufleben. Der Traum des 1955 in Warschau/Polen geborenen Vollblutmusikers, mit einem eigenen Salonorchester aufzutreten, wurde wahr und führte bei seinem ersten Auftritt in Bamberg zu stilvoller Tanzunterhaltung. Das gesamte 12-köpfige Ensemble besteht aus Profimusikern, wovon die meisten bei den Bamberger Symphonikern unter Vertrag stehen. Akkordeonspieler Alex Färber – im „ersten Leben“ Physiotherapeut – erhielt als einziger Musikamateur die professionelle Liftung in Privatstunden von Bugoslaw „Bogdan“ Lewandowski. Der Zusammenklang der vier Geigen – allesamt weiblich besetzt – samt Bratsche, Bass, Klavier, Schlagzeug, drei Saxophonen bzw. Klarinetten, Klavier und zeitweise Akkordeon gelang mit gediegenem Schwung und entstaubtem Schlager-Swing in einem harmonischen Klangbild nach Original-Arrangements von Helmut Ritter überzeugend.
Der Reigen der mitreißenden Tanzmusik begann mit einem impulsiven Marschfox, der alsbald in das bezaubernde „Du hast Glück bei den Fraun, Bel ami“ überging. Schon bald zog es die ersten Paare auf die Tanzfläche um sich von der Harmonie und Atmosphäre beflügeln zu lassen. Die fetzige „Julia aus Budapest“ leitete gekonnt zum Foxtrott über. „Ich weiß, es wird ein Wunder gescheh´n“, im Original von der großen Zarah Leander gesungen, geriet instrumental zur nostalgischen Hommage an die unvergessene Künstlerin.
In seinem Repertoire orientierte sich Lewandowski vorwiegend an den Stehgeigern Georges Boulanger und dem ungarischen Kapellmeister Barnabás von Géczy von der Budapester Oper, der sich damals zunächst aus finanziellen Gründen und später aus Leidenschaft auch anspruchvoller Unterhaltungsmusik widmete, u.a. im Berliner Nobelhotel Esplanade. In mühevoller Kleinarbeit durch das Studium alter Schellackplatten und moderner You-tube- Aufnahmen näherte sich der Leiter des Salonorchesters dem Original-Sound der damaligen Zeit, den der akribische Perfektionist nun dem Bamberger Publikum bieten konnte. Einige der angegilbten Notenblätter fand er in Original-Handschriften im Archiv der Münchner Philharmoniker, nach deren Kopien das Bamberger Salonorchester stilecht spielte.
Zum Höhepunkt und Motto des Abends geriet das Foxtrottlied „Tanzen, Tanzen“ von Helmut Gläser nach einer Aufnahme von Geczy im Jahre 1938. Im weiteren Repertoire des neu gegründeten Bamberger Salonorchesters fand sich viel Filmmusik aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, darunter auch Tango-Stücke wie „Noche de Estrellas“ von Ary Malando, eine „Geigen Polka“ von Helmut Ritter und der umwerfend feurige „Csardasfox“ von Karl Götting. Gegen Ende war auch entspannte Lockerheit zu spüren, sowohl bei den Musikern auf der Bühne als auch unter den zunehmend gelösteren Tänzern.
Mit einem abwechslungsreichen Walzer-Medley und einigen weiteren Zugaben endete ein bezaubernder Tanzabend voller kammermusikalischer Virtuosität, insbesondere von der bravourösen Solovioline Bugoslaw Lewandowskis – ganz ohne lästiges Schellack-Knistern.
Text: Helmut Ölschlegel