Sommerserenaden Schloss Seehof

Barnabás von Géczy und das „Bamberger Salonorchester“
In den zwanziger und dreißiger Jahren erlebte die deutsche Tanz- und Unterhaltungsmusik einen künstlerischen Höhepunkt. Nach dem verlorenen Weltkrieg und der anschließenden Inflation, ging mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ab Mitte der 20er Jahre ein bis dahin nicht gekanntes Aufblühen des kulturellen Lebens in Deutschland einher. Zentrum dieser Entwicklung war Berlin, mit vier Millionen Einwohnern die größte und vitalste Metropole des Kontinents. Das Publikum wollte sich amüsieren und Berlin bot eine Fülle von Möglichkeiten, darunter mehrere Opernhäuser, über 40 Theater, unzählige Klubs, Tanzlokale und Varietés. Die meisten unterhielten zumindest ein kleines Ensemble, in den großen Häusern und Hotels spielten Orchester zum Tanz und zur Unterhaltung.

Zu den führenden Unterhaltungsorchestern dieser Zeit zählt das Ensemble des ungarischen Geigers Barnabás von Géczy. 1897 in Budapest geboren erhält er ersten Geigenunterricht von einem Zigeunerprimas. Danach studiert er am Konservatorium seiner Heimatstadt und wird mit 22 Jahren Kapellmeister an der Budapester Oper. Doch seine weitere musikalische Karriere verläuft überraschend. Barnabás von Géczy entscheidet sich, auch aus finanziellen Gründen für die Unterhaltungsmusik. Zunächst als Stehgeiger im norwegischen Trondheim, aber schon wenige Monate später ist er im Berliner Nobelhotel Esplanade zu hören. Dort macht er sich sehr schnell einen Namen. Sein Unterhaltungsorchester erlangt Berühmtheit wegen seines kammermusikalischen Musizierstils gepaart mit einem unverwechselbaren Klang. Streichinstrumente, Holzbläser und allem voran Barnabás von Géczys bravouröse Solovioline prägen diesen einzigartigen Klang. Nicht umsonst erhält er den Ehrentitel eines „Paganini des Fünfuhrtees“.

Rund 70 Jahre später begibt sich der Geiger Boguslaw Lewandowski auf eine Spurensuche in die Vergangenheit. Er ist Mitglied der Bamberger Symphoniker. Seine große Liebe gilt – neben dem klassischen Repertoire – der Salonmusik und ganz besonders dem großen Stehgeiger Barnabás von Géczy. Dieser hat über 700 Schallplatten eingespielt. Die Partituren und Arrangements seiner Musik sind aber nirgendwo veröffentlicht. So recherchiert Boguslaw Lewandowski in Archiven, sucht in Musikbibliotheken - und tatsächlich - er findet die Partituren. Diese, wie sich schnell heraus stellt, sind echte Schätze: Die Juliska aus Budapest und Sassa, Sassa! aus Fred Raymonds Operette Maske in Blau notiert in feinster Handschrift. Sag´ beim Abschied leise Servus, die wahrscheinlich bekannteste Melodie von Peter Kreuder taucht auf vergilbten Blättern ebenso auf, wie Franz Grothes Schließ deine Augen und Träume. Und neben vielen weiteren Foxtrotts, Tangos und Walzern der Lambeth Walk aus Noel Gays Musical Klassiker Me and My Girl.

Mit befreundeten Musikerkollegen gründet Boguslaw Lewandowski das „Bamberger Salonorchester“ mit dem Ziel, von Géczys charmante, glanzvoll-virtuose Musik neu aufzuführen.

So lädt nun das „Bamberger Salonorchester“ zu einem nostalgischen Cafe-Konzert. Nehmen Sie Platz und genießen Sie - ohne lästiges Schellack–Knistern – Barnabás von Géczys hinreißenden Klang der Goldenen 20er.
( Martin Poth )